Das Märchen vom glücklichen föderalistischen Königreich

Ich werde heute damit anfangen, Euch ein Märchen zu erzählen. Es ist ein etwas längeres Märchen und es wird wohl etwas Zeit brauchen, Euch das ganze Märchen zu erzählen. Eigentlich ist es sogar ein ganzer Märchenband! Aber das macht nichts, wir haben Zeit – und das Märchen auch! Also, steigen wir ein:

Es war einmal ein Königreich. Es war ein schönes und sehr reiches Königreich, welches von sieben Königen und Königinnen regiert wurde. Die Menschen in dem Königreich waren glücklich und zufrieden – und wenn sie es einmal doch nicht waren, durften sie es sagen (manchmal wurde ihnen dann sogar auch geholfen!)

In dem Königreich regierten nicht nur die Könige und Königinnen – es gab auch sehr viele Fürstinnen und Fürsten, welche alle etwas zu sagen hatten. Die Fürstinnen und Fürsten waren für die einzelnen Teile des Königreiches zuständig und hatten dazu viele Beraterinnen und Berater. Die Beraterinnen und Berater waren Menschen aus dem Volk, welche von diesem auserwählt wurden, um genau diese Funktion auszuüben. Sie durften sich aber nicht nur beraten, sondern bei wichtigen Angelegenheiten sogar mit entscheiden! Es waren eben eigentlich nicht nur Berater, sondern richtige Vertreterinnen und Vertreter des Volks. Die Könige und Königinnen waren nämlich sehr weise und es war ihnen ganz wichtig, dass das Volk im Königreich glücklich war. Darum wollten sie natürlich auch wissen, was die Menschen denn so bewegt und beschäftigt.

Die Könige und Königinnen selber hatten auch eigene Berater. Das waren die vielen Hofberater und Hofberaterinnen, welche für all diejenigen Bereiche zuständig waren, für welche die Könige und Königinnen neue Entscheide fällen und Gesetze erlassen mussten. Also zum Beispiel für Gesundheit, Arbeit, Sport, Bildung und vieles mehr. Die Beraterinnen und Berater unterstützten die Könige und Königinnen immer – so gut sie das halt konnten. Sobald die Könige und Königinnen einen Entscheid getroffen hatten, durften die Beraterinnen und Berater die Gesetze dafür schreiben – dazu hatten sie viel Papier und unzählige Bleistifte, und manchmal benutzten sie auch ein Faxgerät.

Jedesmal, wenn die Könige und Königinnen also ein neues Gesetz herausgeben wollten, trafen sich alle zur Beratung und konsultierten alle Fürstinnen und Fürste, um sicher zu sein, dass die Menschen im Land das neue Gesetz auch gut finden würde. Weil sich die Fürstinnen und Fürsten selber nicht immer einig waren und auch ihre Beraterinnen und Berater und Volksvertreter und Vertreterinnen oft nicht mit einer Stimme sprachen, ging es jeweils ziemlich lange, bis ein neues Gesetz oder ein Entscheid verkündet werden konnte.

Man muss dazu nämlich auch noch wissen, dass es sogar noch (!) komplizierter war in diesem Königreich: Die Menschen waren teilweise so unterschiedlicher Meinung, dass auch sichergestellt sein musste, dass die Volksvertreterinnen und Vertreter all die verschiedenen Meinungen auch wirklich vertreten konnten. Dazu organisierten sich die Volksvertreterinnen und Vertreter in Gruppen, welche sich dann auch gerne untereinander bekämpften. Natürlich nicht mit Schwert und Degen und Schwert, sondern mit Worten – aber dafür sehr ausdauernd.

Die Menschen im Land wussten das und manchmal spotteten sie ein wenig darüber, dass es immer so lange dauerte, bis ein neues Gesetz in Kraft gesetzt wurde. Da es aber ein reiches Land war und die meisten Menschen keine grossen Probleme hatten, fanden sie es auch nicht weiter schlimm. Schliesslich – so sagten sie sich – können wir auch immer mitreden und mitbestimmen, denn die Könige und Königinnen hören ja auf unsere Volksvertreterinnen und Vertreter. So waren eigentlich alle glücklich und zufrieden.

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